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Weinqualität wird in Deutschland seit gut hundert Jahren über "Öchsle" definiert, über die Menge des während der Reifeperiode in der Traube assimilierten Fruchtzuckers. Je mehr, je besser, lautete lange die Devise.

Die Antwort auf die Frage, ob der Most "naturrein" gehalten oder "verbessert" werden sollte, lieferte die Öchslewaage. Die von dem Pforzheimer Optiker Ferdinand Öchsle konstruierte Dichtespindel erwies sich als praktisches Messinstrument für den Zuckergehalt und entwickelte sich zu einem objektiven Maß für Weinqualität. Zum großen Durchbruch für die Öchsle kam es in den Wirtschaftswunderjahren, als der deutsche Weinbau mit Traktoren, Kunstdünger und neuen, öchsleträchtigen Rebsorten völlig umgekrempelt wurde. Es galt schließlich, der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden, und das nicht nur in der Menge, auch beim Geschmack. Schön "lieblich" sollte er sein, blumig und süffig.

Während solche Weine in den 1950er Jahren oft noch von den Landwirtschaftskammern als "nicht gebietstypisch" abgelehnt wurden, waren sie in den 1960ern schon die Norm. Ihren Höhepunkt erreichte die "süße Welle" mit dem Weingesetz von 1971. Der Begriff "naturrein" wurde abgeschafft und durch Prädikate ersetzt, die über Öchsle definiert wurden.

Selbstverständlich versuchten die Winzer daraufhin, mit möglichst viel Öchsle die profitableren Qualitätsstufen zu erreichen. Der Charakter von Weinberg und Rebsorte, das Alter der Rebstöcke, die Pflanzdichte, die Erntemenge, also Qualitätsfaktoren, die weltweit als entscheidend angesehen werden, wurden in diesem Weingesetz nicht erwähnt. Und in der Praxis traten sie immer mehr in den Hintergrund.

Doch als Reaktion auf die Exzesse der letzten Jahre formierte sich weltweit eine breit angelegte Gegenbewegung. Der Begriff "Terroir" ist wieder aufgetaucht. Doch was ist Terroir?

Der Begriff wurde bereits um 1920 in Frankreich geprägt. Er erfasst alle natürlichen Voraussetzungen, die den Rebstock und demzufolge die Zusammensetzung der Traube selbst beeinflussen. Terroir ist die Verbindung von Klima, Boden und Region, das Zusammenwirken einer Vielzahl von Faktoren wie Temperatur, Niederschlagsverteilung, Sonnenscheinstunden, Hangneigung, Bodenbeschaffenheit usw. Vereint bilden diese Faktoren in jedem einzelnen Teil eines Weinbaugebietes das, was Terroir genannt wird.


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